Uhr
von Isabelle Kobe
Steinadler verlassen ihr Nest später als gedacht
In ihren ersten Lebensmonaten lernen Steinadler, zwischen den Bergen zu navigieren und Thermiken für das Aufsteigen in grosse Höhen zu nutzen. Dabei sind sie ebenso geschickt wie erwachsene Adler. Wie schnell sie diese Fähigkeiten erlangen, beeinflusst jedoch nicht den Zeitpunkt, an dem sie endgültig ihr Heimatterritorium verlassen. Das ergab eine Studie des Max-Planck-Instituts für Verhaltensbiologie und der Universität Konstanz in Zusammenarbeit mit der Schweizerischen Vogelwarte Sempach, der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft, der Konrad-Lorenz-Forschungsstelle der Universität Wien und dem Centro Italiano Studi Ornitologici.
Auch als Flügge im elterlichen Nest
Zwischen 2019 und 2024 wurden in den Alpen 92 junge Steinadler von einem Forscherteam mit GPS-Sendern ausgestattet, um die Bewegungen der Vögel während ihren ersten Streifzügen ausserhalb des elterlichen Reviers zu verfolgen, bis zu dem Tag, an dem sie schliesslich abwanderten. Das Team beobachtete, dass viele Jungvögel noch fast ein Jahr lang nach dem Anbringen des GPS-Senders im Revier ihrer Eltern verweilten, obwohl sie bereits flügge geworden waren.
Dr. Hester Brønnvik, Erstautorin der Studie und Wissenschaftlerin in der Abteilung für Evolutionäre Ökologie am Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung: «In der Lage zu sein, auf eigene Faust zu überleben, und diesen Schritt tatsächlich zu wagen, sind offenkundig zwei unterschiedliche Dinge.» Und Dr. Elham Nourani vom Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie und der Universität Konstanz, eine der leitenden Autorinnen der Studie, sagt: «Die Entscheidung, das Elternhaus zu verlassen, hängt von viel mehr ab als nur davon, ob man das nötige Geschick für Flug und Jagd hat.» Keine der detaillierten Messgrössen für das Fluggeschick der Adler liess vorhersagen, wann sie ihre ersten langen Reisen weg von ihrem Heimatgebiet unternahmen oder wann sie dieses endgültig verliessen.
Erfahrung als ausschlaggebender Faktor
Hingegen fanden die Forscher heraus: Jungadler, die grössere Entfernungen zurücklegten und grössere Höhen erreichten, unternahmen mit weitaus grösserer Wahrscheinlichkeit bald darauf Erkundungsflüge und waren Monate später diejenigen, die abwanderten. «Diese täglichen Bewegungen», so Nourani, «spiegeln Motivation, Konkurrenz, Nahrungsangebot und Wetter gleichzeitig wider, und die Erfahrung mit diesen Faktoren ist es offenbar, die tatsächlich die Entscheidung zum Aufbruch bestimmt.» Fazit: Für den Schritt in die Unabhängigkeit zählt in erster Linie die Erfahrung. Länge und Flughöhe der alltäglichen Ausflüge spielen eine massgebliche Rolle und nicht das Geschick beim Meistern der Thermik.
Nur wenige freie Reviere
Weiter ging das Forscherteam der Frage nach, weshalb so viele junge Steinadler ihren Auszug hinauszögern, selbst wenn sie bereits voll flugfähig sind. Dabei stellte es fest: Die Population der Steinadler ist ungewöhnlich. Sie ist gesättigt, das heisst fast jedes geeignete Revier in den Alpen ist bereits besetzt, folglich stehen jungen Adlern nur wenige freie Reviere zur Verfügung. Dr. Kamran Safi vom Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie und der Universität Konstanz, einer der leitenden Autoren der Studie, erklärt: «Für einen jungen Adler kann das elterliche Revier noch Monate, nachdem er das Fliegen beherrscht, der sicherste Ort bleiben. Dies kann ihm Zeit für kleine, aber bedeutende Verbesserungen seiner Fähigkeiten und Erfahrungen verschaffen (…), bis es an der Zeit ist, einen Revierinhaber herauszufordern, um dessen Revier zu übernehmen – was nicht selten bis zum Tod verteidigt wird.»
Wir möchten eine klare christliche Stimme in unserer Gesellschaft sein - unabhängig, bibeltreu und aktuell.
Damit das gelingt, sind wir auf Ihre Unterstützung angewiesen.
Neue News
Vorsicht – es wird geschossen!
Die Strategie, wie Früchte durch Austrocknen ihre Samen ausstreuen, ist sensationell. Dass ganz unterschiedliche Pflanzen sich so vermehren, ist ein klares Indiz für Schöpfung.
[mehr] Vorsicht – es wird geschossen!Mit Abfall düngen
Wie lassen sich Abfälle sinnvoll nutzen, anstatt sie zu entsorgen? Mit einem innovativen Ansatz haben Forscher aus Urin und Asche wertvolle Rohstoffe wie Stickstoff, Phosphor, Calcium und Magnesium bereitgestellt – die Grundlage vieler Düngemittel.
[mehr] Mit Abfall düngenEin fataler Trend
Mehrere europäische Länder arbeiten daran, das Recht auf Abtreibung in der Verfassung zu verankern. Sie opfern das Lebensrecht ungeborener Kinder zugunsten der vermeintlichen Selbstbestimmung ihrer Mütter.
[mehr] Ein fataler TrendMehr entdecken
ethos
Neben factum gibt der Schwengeler Verlag eine weitere Zeitschrift heraus. ethos bringt die Frohe Botschaft mitten ins Leben, informiert über Zeittrends, hält den Wertmassstab der Bibel hoch und macht Mut, den Glauben im Alltag zu leben. Die Zeitschrift für Jung und Alt erscheint 6-mal im Jahr mit 68 Seiten.
ethos open hands
Das christlich-soziale Hilfswerk ist aus der Arbeit des Schwengeler Verlags entstanden. ethos open hands ist eine Nonprofit-Organisation im Sinn einer biblischen Missionsarbeit nach christlichen Grundsätzen. Wir unterstützen Menschen in Rumänien in ihrer materiellen, physischen und geistlichen Not.
